Co-Working & Open Office: Musik die produktiv macht ohne zu stören
Zurück zum Blog
Musik & Audio

Co-Working & Open Office: Musik die produktiv macht ohne zu stören

Ida LundIda Lund·

Es ist 14:00 Uhr im Co-Working Space. Am Tisch links tippt jemand ein Angebot, rechts führt jemand ein leises Telefonat, am Fenster brütet eine Designerin über Figma. Drei Menschen, drei Aufgaben, drei verschiedene akustische Bedürfnisse — und ein Raum.

Willkommen beim größten Musik-Dilemma der modernen Arbeitswelt.

Was die Forschung sagt

Die Wissenschaft ist überraschend klar — und überraschend differenziert:

Musik hilft bei repetitiven Aufgaben

Eine Meta-Analyse von Kampfe et al. (2011) zeigt: Bei einfachen, wiederholenden Tätigkeiten (E-Mails bearbeiten, Daten eingeben, Routineaufgaben) verbessert Hintergrundmusik die Leistung um 6–10%.

Musik schadet bei komplexen kognitiven Aufgaben

Bei Aufgaben, die Sprachverarbeitung erfordern (Texte schreiben, Verträge lesen, Programmieren mit Code-Reviews), verschlechtert Musik mit Lyrics die Leistung — um bis zu 15%.

Der Sweet Spot: Instrumentale Musik bei mittlerer Lautstärke

Rajan Mehta (Journal of Consumer Research, 2012) fand: Moderate Umgebungslautstärke (70 dB) fördert kreatives Denken besser als Stille oder laute Umgebungen. Der Grund: Ein leichtes Maß an akustischer "Störung" zwingt das Gehirn in einen breiteren Denkrahmen.

Die drei Zonen eines Co-Working Space

Zone 1: Focus Area (Stille oder Minimal Ambient)

  • Keine Musik oder extrem leise Ambient-Klänge (unter 40 dB)
  • White Noise oder Brown Noise als Alternative
  • Für: Programmierer, Texter, Analysten

Zone 2: Flex Area (Lo-Fi & Chill)

  • Instrumentale Musik bei 45–55 dB
  • Lo-Fi Hip-Hop, Ambient Electronic, Chill House
  • 60–85 BPM — langsam genug für Konzentration, schnell genug gegen Schläfrigkeit

Lia-Nova-Empfehlung: City Lights Lounge (20 Tracks) — urbaner Lounge-Sound, der im Hintergrund verschwindet.

Zone 3: Social Area / Küche / Lounge

  • Hier darf Musik präsent sein: 55–65 dB
  • Chill House, Indie Electronic, Acoustic Pop instrumental
  • 80–110 BPM — Energie für Gespräche und Networking

Lia-Nova-Empfehlung: Midnight Lounge (Chill House, 20 Tracks) oder Summer Vibes (Beach House, 20 Tracks) für die Lounge-Ecke.

Warum Lo-Fi Beats funktionieren

Der Lo-Fi-Hype auf YouTube ("lofi hip hop radio — beats to relax/study to" hat Milliarden von Views) ist kein Zufall. Lo-Fi-Musik funktioniert im Arbeitskontext, weil sie:

  1. Keine Überraschungen bietet — repetitive Strukturen, vorhersehbare Patterns
  2. Keine Vocals hat (oder nur gemurmeltes Sampling)
  3. Imperfekt klingt — Vinyl-Knistern, leichte Unregelmäßigkeiten signalisieren dem Gehirn: "Das ist Hintergrund, nicht Vordergrund"
  4. Gleichmäßiges Tempo hält — typisch 70–85 BPM

Corporate Open Office: Die Herausforderung

Während Co-Working Spaces oft verschiedene Zonen haben, sitzen in Corporate Open Offices alle in einem Raum. Hier wird Musik zum Politikum.

Lösung 1: Zentrales Sound Masking

Kein Musik im eigentlichen Sinne, sondern ein gleichmäßiges Grundrauschen (Pink Noise), das Gesprächsfetzen verschluckt. Reduktion der Ablenkung um bis zu 40%.

Lösung 2: Headphone Culture

Statt zentraler Beschallung: Kopfhörer als Standard. Vorteil: Jeder hört, was er braucht. Nachteil: Isoliert sozial.

Lösung 3: Zeitbasierte Beschallung

  • 9:00–12:00: Sehr leise Ambient (Focus-Phase)
  • 12:00–13:00: Lounge-Musik in Mittagslautstärke
  • 13:00–17:00: Lo-Fi Chill (produktive Nachmittagsphase)

Die häufigsten Fehler

Fehler 1: Spotify-Radio auf dem Bluetooth-Speaker

Unkuratiert, Werbung (im Free-Tier), unkontrollierbare Song-Wechsel. Ein enthusiastischer EDM-Drop während eines Kundengesprächs ist der Albtraum jedes Community Managers.

Fehler 2: Demokratie bei der Musikwahl

"Jeder darf mal eine Playlist aussuchen" klingt fair, führt aber zu musikalischem Chaos. Kuratieren Sie 3–4 neutrale Playlists und rotieren Sie wochenweise.

Fehler 3: Musik als Afterthought

Sound ist genauso Teil des Raumkonzepts wie Möbel und Beleuchtung. Planen Sie ihn von Anfang an mit — inklusive Speaker-Positionierung und Lautstärke-Zonen.

GEMA-Kosten für Co-Working Spaces

Co-Working Spaces gelten GEMA-rechtlich als gewerbliche Räume. Bei 300 m² Fläche rechnen Sie mit 400–700 Euro pro Jahr. GEMA-freie Musik von Lia Nova eliminiert diese Kosten — 168+ Tracks, alle Genres von Lounge bis Electro, verfügbar auf allen Streaming-Plattformen.

Fazit: Sound Design ist Workplace Design

Die beste Einrichtung nützt nichts, wenn der Sound nicht stimmt. Ein Co-Working Space mit durchdachter Klangatmosphäre signalisiert: Hier hat jemand mitgedacht. Und genau das ist es, was Ihre Members erwarten.


Quellen:

  • Kampfe, J. et al. (2011): "The impact of background music on adult listeners." Psychology of Music, 39(4), 424-448.
  • Mehta, R. et al. (2012): "Is Noise Always Bad?" Journal of Consumer Research, 39(4), 784-799.
  • GEMA Tarifordnung 2025 für Büroräume und Co-Working Spaces